Federpicken und Kannibalismus

Allgemein Federpicken, d.h. Beschädigung von Federn sowie Kannibalismus, d.h. das Fressen/Anpicken von Körperteilen von Artgenossen, sind hin und wieder vorkommende Verhaltensweise bei Hühnern. Beide Verhalten werden als Verhaltensstörung definiert, die ihre Ursache in Haltungsbedingungen, Futtermittelwahl aber auch Rassezugehörigkeit haben. Federpicken kann, muss aber nicht zu Kannibalismus führen. In der Forschung werden diese Themen zunehmend getrennt behandelt.

Verhaltensauffälligkeiten sind nicht nur ein Charakteristikum der Batteriehühner, aufgrund von monatelanger Haltung unter engsten räumlichen Bedingungen in einer Batterie können sie sich aber gerade dort manifestieren. Neuste Untersuchungen sehen die Grundlage von Kannibalismus im Erkundungsverhalten. Hier zeigen unterschiedliche Herkünfte unterschiedliche Intensität. Sehr aktive Hybridrassen neigen demnach häufiger zu Kannibalismus als ruhigere. Vielfach kommt es zu Vorfällen im Umfeld der Eiablage. Hängt der Legedarm aus der Kloake heraus, wird er von anderen Hennen angepickt, was zu massiven Blutungen bis zum Tode führen kann. Betroffene Tiere scheinen den Vorgang zu dulden bzw. sie lassen es ohne Abwehr geschehen. Das verschärft die Situation massiv und zwingt den Halter zu schneller Handlung, d.h. Getrennthaltung des verletzten Tieres.

Vorkommnisse häufen sich an sehr sonnigen Tagen, hier ist zu Beginn der Tierübernahme besondere Aufmerksamkeit notwendig.
Vorschläge zur Eindämmung Sollten sich insbesondere im Kloakenbereich Federverluste zeigen, muss die Hühnerschar vermehrt beobachtet werden. Zeigen sich Verletzungen, müssen die betroffenen Tiere sofort bis zur vollständigen Verheilung gesondert gesetzt werden. Offene Wunden oder auch Blutkrusten werden innerhalb kürzester Zeit bepickt und das betroffene Tier bei lebendigem Leibe angefressen. Madenbesatz durch Fliegen oder Verbluten sind die Folgen. Eine zügige Trennung der Tiere ist unerlässlich.

Die Erhöhung des Anteils tierischen Eiweißes im Futter dämpft solche Schübe zumeist relativ zeitnah. Erfahrungswerte verweisen aber darauf, dass Eigelb und Eiweiß nicht ausreichen. Notlösung / Hilfsmittel ist die Gabe von Hundenassfutter als "Fleisch pur", wie es z.B. die Hersteller Rinti und Animonda anbieten. Wasser muss aufgrund des Kochsalzgehaltes dieser Fertigfuttermittel ständig verfügbar sein. Grundlegend sollten Hühner Zugang zur Aufnahme von Insekten haben. Wenn der Auslauf das nicht bietet, kann Aufzuchtsfutter für Fasanen/Rebhühner als Ersatz fungieren. Entsprechend dem Forschungsergebnis, dass aktivere Herkünfte mehr zu Kannibalismus neigen, lässt sich über Beschäftigungsfutter eine Eindämmung erreichen. Hühner zupfen gerne an Salat, Dickwurz (dicke Rübe), etc. Beschäftigungsfutter und tierisches Eiweiß helfen auch gegen Federpicken.

Sehr wichtig ist die Installation von Legenestern, die nur das Betreten durch ein Tier ermöglichen, im Handel zu erwerben sind sogenannte Euronester. Auf diese Weise kann zumindest das Anpicken eines herausgestülpten Legedarms konsequent verhindert werden.

Der Einsatz von Sprays wie z.B. Fedpick kann in einer Phase mit Kannibalismus eine Eskalation der Situation eindämmen. Hier muss aber bedacht werden, dass es sich um ein chemisches Präparat handelt, das mit Vorsicht und nur im Ausnahmefall Anwendung finden sollte.